Schmerztherapie

Multimodale Schmerztherapie

Die im Niederrheinischen Wirbelsäulenzentrum praktizierte Multimodale Schmerztherapie ist geeignet für Menschen, die unter chronischen Schmerzen und infolgedessen unter einer Einschränkung ihrer Lebensqualität leiden. 

Immer mehr Menschen leiden mindestens einmal im Jahr unter Rückenschmerzen. Die Ursachen für einen „schwachen Rücken“ in unserer „modernen Welt“ sind vielfältig. Zusammen bilden Immobilität und psychische Belastungsfaktoren den „Cocktail“, der zur Chronifizierung von Schmerzen führt.

Viele Fragen sind zu klären

Zumeist reichen bei einfachen akuten „Blockaden“ die Einnahme einiger „Schmerztabletten“ sowie eine kurzfristige Ruhephase, damit die Beschwerden verschwinden. In hartnäckigeren Fällen, z.B. bei Bandscheibenschäden oder verschleißbedingten Schmerzsyndromen, kann aber auch erst eine stationäre Behandlung im Krankenhaus zum Erfolg führen. Aber was ist, wenn die Beschwerden bestehen bleiben und die klassischen Therapieverfahren, etwa im Rahmen einer gezielten „Spritzen-Therapie“ oder auch einer Operation, versagen? Wie gelingt es, die im Laufe der Zeit chronifizierten Schmerzen in den Griff zu bekommen? Warum heilen die Beschwerden bei dem einen Patienten aus, bei dem anderen nicht? Ab wann wird von chronischen Schmerzen gesprochen?

Eine Vielzahl von Ursachen

Hier kommt der ganzheitliche Ansatz der Multimodalen Therapie ins Spiel, wie sie im Niederrheinischen Wirbelsäulenzentrum im St. Willibrord-Spital Emmerich praktiziert wird. Heute gilt als allgemein anerkannt, dass Schmerzen, die länger als drei Monate bestehen, als chronisch anzusehen sind. Es ist das Zusammenspiel verschiedener körperlicher (biologischer), seelischer und sozialer Faktoren, die in ihrer Summe das Symptom Schmerz verursachen und aufrechterhalten. Ärzte sehen immer wieder, dass gerade die psychischen und sozialen Belastungsfaktoren wie Datenüberflutung, veränderte soziale Struktur und Leistungsdruck zunehmend zur Entstehung von chronischen Leiden führen.

Die Patienten mit chronischen Schmerzen klagen u.a. über Schlaf- und Essstörungen sowie Depressionen. Auch zeichnet sich die Schmerzerkrankung durch einen dauerhaften oder auch Fehlgebrauch der bekannten frei verkäuflichen oder verschreibungspflichtigen Schmerzmittel (Analgetika) aus. Komplikationen wie Nieren- oder Leberschäden sowie Magengeschwüre sind nur einige der Komplikationen, die dadurch  auftreten können.

Blick auch auf psychische Faktoren

Daher umfasst eine Schmerztherapie nach multimodalen Gesichtspunkten neben der klassischen ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlung auch eine  psychologische/psychotherapeutische Betreuung des Patienten. Grundlage dieser Therapie ist das „Biopsychosoziale Schmerzmodell“. Es berücksichtigt sowohl auf der einen Seite den Einfluss der biologischen Faktoren (degenerative Veränderungen von Gelenken, Knochen und Bandscheiben etc.) sowie auf der anderen die verschiedenen psychischen (Burn-out, Depression etc.) sowie auch sozialen Einflussfaktoren (Vereinsamung, Verlust des Arbeitsplatzes usw.). Im Zuge einer multimodalen Schmerztherapie arbeiten Ärzte verschiedener Fachdisziplinen, wie z.B. Orthopädie und Anästhesie, gemeinsam mit Psychologen und Physiotherapeuten am Patienten.

In jedem Falle dabei ist Antje Wolf, Psychologische Psychotherapeutin am St. Willibrord-Spital. Sie führt Gespräche mit den Schmerzpatienten, macht Entspannungstraining mit ihnen und leitet eine Schmerzgruppe. Je nach Patient kann das Experten-Team um einzelne Spezialisten, z.B. Ergotherapeut, Ernährungsberater, Sozialarbeiter u.a. erweitert werden. Die Patienten erhalten, nach erfolgter umfassender Befunderhebung, neben kompetenten Informationen und Schulung aus erster Hand individuelle, aktivierende Anwendungen seitens der Sport- und Physiotherapie sowie psychotherapeutische Anwendungen zur Funktionsanalyse und Stressbewältigung.

„Startschuss“ zur Selbsthilfe

Ziel ist es, auf jeden Patienten individuell einzugehen, seine Probleme zu verstehen und zu analysieren um dann gezielt die Ressourcen herauszuarbeiten und zu fördern. Die Patienten profitieren hierbei sowohl von den Einzelgesprächen mit den Therapeuten und Ärzten als auch vom Austausch in der Gruppe. Im Zuge der Behandlung soll der „Startschuss“  zur Selbsthilfe aus dem Schmerzkreislauf heraus gegeben werden.

Die dazu angewendeten Mittel und Wege sind sehr unterschiedlich und reichen von den üblichen Therapieansätzen mit ihren „klassischen“ Infiltrationen und Denervationstechniken über die verschiedenen physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Anwendungen bis zu alternativen Verfahren wie Akupunktur, Taping und Schröpfen. Die Patienten erlernen hierüber hinaus Techniken zur Entspannung sowie Eigenübung zur Kräftigung der Rumpf- und Rückenmuskulatur in den eigenen vier Wänden. Selbstverständlich erfolgt auch eine Kontrolle und Anpassung der bisherigen Schmerzmedikation auf ein möglichst nebenwirkungsarmes Niveau.

Die Patienten sollen lernen, sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen. Es sollen Wege aufgezeigt werden, den Schmerzkreislauf, der sich zunehmend selbst erhält, zu verlassen, die drohende soziale Isolation zu beenden und die drückende Stimmungslage aufzuheben. Letztlich soll eine aktive und deutlich zufriedene Lebensführung am Ende der Therapie stehen. Die Schmerzen sind vielleicht nicht weg, aber der Patient hat gelernt, sich ihnen entgegenzustellen.