Studien

Studien im Prostatazentrum Niederrhein

Immunonkologische Studien in der Urologie

Fortgeschrittene und metastasierte urologische Malignome sind durch konventionelle Therapien wir Chemotherapie oder auch orale Blocker von Signaltransduktionswegen (TKI, m-TOR Inhibitoren) im Tumor nicht kurabel . Seit längerem gibt es deshalb wachsende Bestrebungen moderne immunonkologische Therapieverfahren einzusetzen. Für das metastasierte Nierenzellkarzinom und das metastasierte Urothelkarzinom gibt es seit Neuerem deshalb zugelassene Immuntherapien, die auch bei fortgeschritten metastasierter Erkrankung das Potential bergen komplette Remissionen zu induzieren oder zumindest länger anhaltende partielle Remissionen.  Diese wirken über eine T-Zell Aktivierung, die über monoklonale Antikörper vermittelt wird und auf die Rezeptoren der Aktivierung,  bzw Suppression der Immunantwort wirken. (PD-1, PDL-1 oder CD 40 Blockade).

Als logische Konsequenz wird die Immuntherapie deshalb auch bei Tumoren eingesetzt, die bisher nicht erfolgreich behandelt werden konnten, hier dem Prostatakarzinom.

Das ProstataZentrum Niederrhein hat in unserer Weseler Praxis für Urologie Ende 2019 begonnen Patienten für eine Immunonkologische Studie (BMS CA209-650 Expansion) beim metastasierten hormonrefraktären Prostatakarzinom zu rekrutieren. Diese werden entweder mit einer Kombination von Nivolumab/Ipilimumab in verschiedener Dosierung behandelt, als Kontrollarm fungiert eine Ipilimumab Monotherapie oder eine chemotherapeutische Behandlung mit Cabazitaxol. Bisher konnten wir zwei Weseler und einen Patienten aus Krefeld einschliessen.  In Deutschland/Österreich sind neben Wesel  die Unikliniken in Jena, Münster, Bochum, Dresden, Tübingen, München, Nürnberg, Göttingen und Wien beteiligt. Ausserdem noch das Klinikum in Braunschweig und eine Studienpraxis in Nürtingen. Die Rekrutierung wird Mitte des Jahres voraussichtlich enden, alle drei Patienten sind in die Kombinations-Immuntherapie-Arme randomisiert worden, gravierende Nebenwirkungen sind bisher nicht aufgetreten.

In einer zweiten Immunonkologischen Studie werden Patienten mit einem Hoch-Risiko Urothelkarzinom der Blase behandelt. Hier existiert seit vielen Jahren, die wahrscheinlich ältestes noch eingesetzte Immuntherapie: die Instillationtherapie mit attenuierten Tuberkulose Erregern (BCG). Die durchaus mit erheblichen Nebenwirkungen belastete Therapie führt in seltenen Fällen sogar zur Uro-Tuberkulose, führt aber zu Risikoreduktion für eine Progression oder ein Rezidiv des Urothelkarzinoms um etwa 30%, respektive 25%. Rationale bei der POTOMAC Studie ist es, zu untersuchen, ob durch Hinzunahme eines systemischen PDL-1 Antikörpers das hohe Rezidivrisiko und Progressionsrisiko  der Standardtherapie zu reduzieren ist. Bisher sind drei Patienten eingeschlossen, wobei  sich zwei im Antikörper Arm der Studie befinden, ein Patient erhält Standardtherapie mit BCG allein.

Insgesamt bieten die neuen Immuntherapien die Chance langfristiger Remissionen, die teilweise auch über das Ende der Behandlung andauern. Immunonkologie ist ein hochspannendes neues Feld der Tumortherapie, wir freuen uns Teil dieses Fortschritts zu sein und unseren Patienten solche Behandlungen anbieten zu können.