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Senologie am Marien-Hospital und Uniklinik Tübingen kooperieren bei der Entwicklung von Brustimplantaten aus körpereigenem Gewebe

25.04.2019, 08:56 Uhr - 30.04.2020

Brustimplantate aus körpereigenem Gewebe könnten Implantate aus Silikon, Kochsalz oder anderen Fremd-Materialien überflüssig machen und wären ein enormer Fortschritt in der Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen. Um diese Entwicklung zu fördern, besuchte Prof. Dr. Markus Hahn, Leiter der Experimentellen Senologie am Universitäts-Brustzentrum Tübingen, Dr. Daniela Rezek, Chefärztin der Klinik für Senologie und Brustgesundheit am Marien-Hospital, einer Einrichtung der pro homine gGmbH.

Anerkannte Expertin

Dr. Rezek ist national anerkannte Expertin in der Rekonstruktion der weiblichen Brust aus Eigenfett. Dieses Verfahren wurde 2009 in Deutschland zugelassen, und seitdem wendet die Chefärztin es im klinischen Alltag an. Damit war das Marien-Hospital seinerzeit bundesweit Vorreiter. Allerdings kann mit Hilfe von Eigenfett nur ein Defekt, also eine Delle in der Brust, vollständig ausgeglichen und nur eine sehr kleine Brust rekonstruiert werden. Da das Eigenfett vom Körper zum Teil abgebaut wird, sind mehrere Operationen erforderlich. Vor allem die Qualität des transplantierten Fettes ist von großer Bedeutung für den Volumenerhalt. Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, das gewonnene Fett aufzubereiten. 

Transplantation von Eigenfett

Prof. Hahn forscht an einer Methode, bei der mit Hilfe von Eigenfett bioidentische Brustimplantate eine erkrankte Brust unabhängig von der Brustgröße ersetzen. Dabei ist die Qualität des transplantierten Fettes wichtig. Aufgrund der mehr als zehnjährigen Expertise von Dr. Rezek im Bereich der Fett-Transplantation ist Prof. Hahn aus Tübingen nach Wesel gekommen, um sich die Vorteile der einzelnen Methoden der Fettaufarbeitung demonstrieren zu lassen. Er möchte für die bioidentischen Implantate das beste Fett wählen.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte als Lehrstuhlinhaber der experimentellen Senologie in Tübingen sind neben minimalinvasiver Mammaintervention (Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms) und intraoperativer Zielsteuerung zur Präzisionschirurgie von Brustkrebs vor allem wiederherstellende Verfahren im Bereich der Brust. Prof. Hahn arbeitet wissenschaftlich besonders an der Weiterentwicklung von Füllmedien im Bereich der rekonstruktiven Brustchirurgie. Es sind weitere Projekte in diesem Bereich geplant.

Gewinn an Lebensqualität

Die Kombination aus Eigen- und Fremdgewebsrekonstruktion, also klassischer und innovativer OP-Techniken und Techniken aus dem Bereich Bioengineering, könnten einen Brustaufbau nach Amputation mit weit weniger Nebenwirkungen zur Folge haben. Die mit Implantaten aus Fremd-Materialien verbundenen Komplikationen ließen sich damit vermeiden. Für Brustkrebspatientinnen wäre das ein enormer Gewinn an Lebensqualität, betont Chefärztin Dr. Daniela Rezek: „Bisher gab es häufig keine Möglichkeit, Brustimplantate zu ersetzen, ohne dass die Frau eine sehr aufwendige und komplikationsträchtige Operation auf sich nehmen musste, bei der Gewebe aus anderen Stellen des Körpers zum Wiederherstellen der Brust transplantiert werden musste und was mit Narben und Trauma verbunden war.“

Hinzu kommt, dass Brustimplantate in der Vergangenheit immer wieder in Verruf geraten sind, so um die Verwendung eines nicht zugelassenen Silikon-Gels. Aktuell gibt es den Verdacht, dass Brustimplantate an der Entstehung von BIA-ALCL, einem seltenen Tumor des Lymphgewebes, beteiligt sein könnten. Es ist daher ein wichtiger Forschungsschwerpunkt, Ersatz für Brustimplantate zu finden.

Zugang zu Spitzenmedizin

Die Zusammenarbeit mit dem Universitäts-Brustzentrum in Tübingen bekräftigt das erklärte Ziel des Marien-Hospitals, allen Patientinnen den Zugang zu Spitzenmedizin zu ermöglichen. Dem dient auch die enge Kooperation mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg im Rahmen des kürzlich geschaffenen Niederrheinischen Zentrums für Tumorerkrankungen (NZT) unter dem Dach der pro homine. Hinzu kommt: Die Klinik für Senologie ist nicht nur seit Januar 2019 alleiniges vom Land NRW zertifiziertes Brustzentrum in Wesel, sondern darüber hinaus zertifiziertes Brustkrebszentrum nach den Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft (Onkozert). „Die Diagnostik des Mammacarcinoms ist durch die Kooperation mit dem MVZ Radiologie im Forum in Wesel auf dem höchsten Niveau“, betont Chefärztin Dr. Rezek. „So können etwa Befunde, die nur im MRT zu sehen sind, MRT-gesteuert abgeklärt werden. Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal am Niederrhein.“